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Klee ohne Barrieren
Urs Rietmann, Leiter des Kindermuseums Creaviva, spricht über die Hintergründe und Ziele des Projektes "Klee ohne Barrieren".
Dauer: ca. 5 Min.
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Sie bieten im Creaviva Kunstvermittlung auch für Menschen mit einer Sehbehinderung an. Warum sollten Blinde oder Sehbehinderte überhaupt in ein Kunstmuseum gehen, wo es in erster Linie um Bilder, Farben und Formen geht? Ist das nicht ein Widerspruch?
Wer das Creaviva besucht, arbeitet mit viel mehr als nur den Augen. In unseren Ateliers geht es um praktische Kunstvermittlung, um das sinnliche Erfahren des Werks von Paul Klee und weiteren Künstlerinnen und Künstlern.
Und es geht um die Lust an der Kreativität und um die Überwindung der Scheu vor der eigenen Gestaltungskraft.
Wir ermöglichen eine ganze Palette von Eindrücken. Nur so kann man zu persönlichem Ausdruck finden. Das können besonders auch Menschen mit einer Sinnesbehinderung, weil diese für das Unsichtbare oder Unerhörte eine Sensibilität entwickelt haben, von der wir viel lernen können.
Was können Nichtsehende im Creaviva erleben und lernen?
Menschen, die nichts oder fast nichts mehr sehen oder hören, aber auch Menschen mit einer Mobilitätsbehinderung oder Menschen mit einer geistigen Behinderung haben wie alle sogenannt normalen Menschen die Möglichkeit, täglich um 12 Uhr, 14 Uhr oder 16 Uhr eines unserer offenen Ateliers zu besuchen und unter Anleitung von erfahrenen Künstlern oder Kunstvermittlerinnen vor dem Hintergrund des grossartigen Schaffens von Paul Klee ein eigenes Werk zu gestalten.
Oder sie buchen zusammen mit Freunden als Gruppe einen zwei- oder dreistündigen Workshop, der auch vor die Originale in den Ausstellungssälen führt.
Darüber hinaus haben alle unsere Gäste die Gelegenheit Erfahrungen und Erlebnisse in der interaktiven Ausstellung zu sammeln. Das Creaviva hilft mit beim Verstehen der Welt.
Wie ist das Projekt „Klee ohne Barrieren“ entstanden? Welche Idee steckt dahinter?
Die Idee ist einfach: Menschen mit einer Behinderung sollen sich im Zentrum Paul Klee ernst genommen fühlen. Sie sollen spüren, dass ihnen als gleichwertige Gäste mit Sorgfalt, Verständnis und auf Augenhöhe begegnet wird.
Seit einem Jahr arbeiten wir im Creaviva-Team an der Verbesserung der Zugänglichkeit, an der Reduktion von Barrieren und an stimmigen Angeboten, wie sich Menschen mit und ohne Behinderung innerhalb und ausserhalb unserer Ateliers bei uns wohlfühlen.
Unterstützt werden wir dabei von einem Beirat aus Fachleuten und Betroffenen. Und natürlich von Stiftungen, welche unsere Ziele unterstützen und mithelfen wollen, dass Integration weit über das Zentrum Paul Klee hinaus in Kultur- und Kunsthäusern nicht nur diskutiert, sondern engagiert und ideenreich gelebt wird.
Klingende Farben
"Grau ist klanglos und unbeweglich
Helles Blau ist einer Flöte gleich
Das dunkle dem Cello
Je dunkler es wird, desto mehr ähnelt es
dem Klang der Bassgeige
Zuletzt der Orgel.
Gelb klingt wie eine scharfe Trompete.
Das absolute Grün wie ruhige, gedehnte
mitteltiefe Töne der Geige...
wenn man das Wort Rot hört, hat dieses Rot
in unserer Vorstellung keine Grenze...
Dieser innere Klang ist ähnlich dem Klang einer
Trompete oder eines Instruments, welches man
sich vorstellt bei dem Wort Trompete usw.,
wobei die Einzelheiten ausbleiben."
Wassily Kandinsky, "Das geistige in der Kunst", München 1912
